Entscheidungen zur Malerei

Wesentlich ist, dass die Bilder Dauer und Zeit ausdrücken. Malerei ist geistiges Tun, das sich der Farbmaterie bedient, um auf der Fläche ein Gleichnis der Welt in Gestalt und Form zu bilden.

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Mein Antrieb zur Malerei ist transzendental. Mir liegt die poetische Durchdringung der Wirklichkeit nahe. Ich halte nichts von einem „Fortschritt“ in der Kunst. Es gibt keine Evolution zum höher Entwickelten. Es gibt unterschiedliche, einander gleichwertige Ausdrucksweisen. Damit stehen wir an einer unvergleichbaren Epoche der Geschichte. In ihr ist das Vergangene gegenwärtig und taucht an unerwarteter Stelle in verwandelter Form wieder auf. Ich horche und schaue nach innen, um mein Schauen der Aussenwelt frei zu halten. Niemals wäre es mir in den Sinn gekommen, konzeptuell eine Wahl für die gegenständliche Darstellungsweise zu treffen. Einzig meine Empfindungen sind ausschlaggebend. Zu meinem Schaffen gehörte immer die Hinwendung zu Naturformen als Widerspiegelung von Schöpfungsprozessen, welche in persönlichen, von äusseren Einflüssen weitestgehend freien Empfindungen aufgehoben sind. Ich bin dem Denken über alle Aspekte des Lebens nie ausgewichen und musste darum manche innere und äussere Erschwerung der Existenz in Kauf nehmen. Bequemlichkeit habe ich nie gemocht.

Es geht um Form und Gestalt, welche vom Denken über die Gesetze der Bildkunst hergeleitet werden. Malerei ist Erkundungs- und Ermittlungsarbeit über die Intelligenz eines Bildes.

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Dessen Ziel ist es, ein unlösbares Rätsel im Tarngewand zu sein. Hinter den Dingen lauern andere Dinge, von denen niemand weiss, wie sie beschaffen sind. Die Qualität und Eigentümlichkeit der Durchdringung von Flächen und Linien in einem Gemälde lassen bei Bildbetrachtenden Bewegungen entstehen, die durch das Wechselspiel von Beziehungsebenen Dichtung für die Augen entstehen lassen. Diese ermöglichen subjektiv empfundene und intellektuelle Anschauungen, welche über die materielle Welt hinausweisen. Die Bildgenese geschieht zwar innerhalb von Grenzen der Interpretation von Naturformen, in denen ich die Freiheit zur Anregung von Bildgestaltungen erkenne, ohne dem Akt der Hervorbringung von „Neuem“ Gewicht oder selbstgenügsame Aufmerksamkeit beimessen zu müssen. Doch das Ziel ist nicht die Wiedergabe des Gesehenen, sondern das Ausformulieren des subjektiv Erfassten aufgrund meiner geistigen Haltung. Ich zeichne vor der Natur. Das ist und bleibt die herkömmliche, durch nichts zu ersetzende Lernarbeit an der Grammatik der Schöpfung in roher Form. Solches Zeichnen bewahrt vor der Gefahr der Schematisierung und Stilisierung. Eine gute Zeichnung als solche zu erkennen braucht Erfahrung und einen geschärften Sinn. Entscheidend für meine Bilder ist das Bildlicht. Dieses ist nicht nur Beleuchtungslicht; es ist auch nie blosse Darstellung eines Tages- oder Nachtlichts. Vielmehr ist es das Licht, das den Dingen selbst immanent ist und sie unabhängig vom Leuchtlicht macht. Dieses verweist auf eine zugrundeliegende Theologie der Schöpfung, ohne die meine Motivwelt keine Legitimation hat. (2015)